Zeitzeugnisse

Neben Mordechai Ansbacher waren Herbert Mai und Fred Zeilberger die einzigen Würzburger Zeitzeugen der Shoa, die sich in einem Film öffentlich zu ihrer Geschichte äußerten. Die Regisseurin Renate Eichmeier zeigte 2002 im Bayerischen Rundfunk den Film „Enteignet, deportiert, ermordet. Jüdische Würzburger im Nationalsozialismus“, in dem sie die drei Zeitzeugen in Würzburg vorstellte.

Auch an anderer Stelle haben diese Zeugnis abgelegt: Mordechai Ansbacher sagte 1961 umfangreich im Eichmann-Prozess aus. Die Protokolle der Anhörung in Jerusalem stehen auf Englisch online zur Verfügung.

Mai und Zeilberger gaben mehrfach Interviews: für Audio- (Roland Flade, 1985) und Video-Aufnahmen (Johanna-Stahl-Zentrum (JSZ), 2012), die jeweils auch als Textfassungen vorliegen. Ausschnitte aus den Videos werden im JSZ gezeigt. Auch für das Interview-Projekt der Shoa-Foundation standen die beiden – wie auch weitere ehemalige Würzburger, die emigriert waren – zur Verfügung. Ausschnitte dieser englischsprachigen Videos präsentiert die Gedenkstätte Yad Vashem.

Das Besondere am Bericht Herbert Mais von 1946 ist, dass seine Eindrücke zu diesem Zeitpunkt noch frisch waren und er die Monstrosität dessen, was er und seine Eltern erfahren hatten, in deutlicheren Worten schildert als später. Käthe Frieß, die ebenfalls die Deportation nach Riga überlebt hatte, schrieb ihre Erinnerungen sogar schon 1945 nieder. Sie liegen gedruckt vor. Roland Flade hat den Bericht Mais in Auszügen in seiner Geschichte der Würzburger Juden von 1987 veröffentlicht.

Alle genannten Quellen sind im Johanna-Stahl-Zentrum in der digitalen Sammlung zugänglich.

Auszüge dieser und weiterer Zeugenaussagen sind mit ausführlichen Quellenangaben auch auf der DenkOrt-Website veröffentlicht:
Das Unsagbare beschreiben – Stimmen jüdischer NS-Opfer aus Unterfranken. Ausgewählt, bearbeitet und herausgegeben von Rotraud Ries, Ingrid Sontag und Elke Wagner, Würzburg 2021/2024 (pdf zum Download).